07.09.2026, Information
Trockenheit im Futterbau: Was hat überlebt und wie geht es weiter?
Die anhaltende Hitze und der fehlende Niederschlag haben in vielen Wiesen und Weiden deutliche Spuren hinterlassen. Die ersten Niederschläge zeigen nun, wie gross die Schäden sind und wie es weitergeht.
Trockenheitsschäden im Grünland richtig beurteilen
Viele Bestände sind braun und scheinen teilweise ganz vertrocknet zu sein. Bei der Bestandesbeurteilung lohnt sich jetzt ein genauer Blick, denn nicht jede braune Fläche ist abgestorben. Die Trockenheit gut überstanden haben Kräuter wie Spitzwegerich und Löwenzahn, aber auch Kleearten oder Gräser wie Knaulgras und Rotschwingel. Es zeigt sich einmal mehr, dass Pflanzen mit tiefer reichenden Wurzeln trockene Zeiten besser überstehen. Deutlich stärker gelitten haben hingegen die Raigräser, insbesondere auf intensiv genutzten Flächen. Dort investieren die Pflanzen weniger Energie in das Wurzelwachstum und reagieren daher empfindlicher auf Trockenstress. Ein tiefer Schnitt mit dem Sackmesser zeigt, ob im Innern der Pflanze noch grüne Triebe vorhanden sind und damit das Regenerationspotenzial noch besteht. Oft erholen sich Graslandbestände erstaunlich rasch.
Lücken rasch schliessen
Trotz des vorhandenen Regenerationspotenzials ist es wichtig, entstandene Lücken möglichst rasch zu schliessen. Ansonsten können sich unerwünschte Lückenfüller wie Löwenzahn, Hirtentäschel, Blacken oder verschiedene Hirsearten etablieren. Eine Übersaat sollte nach Möglichkeit bis Mitte September erfolgen, damit auch Kleearten noch ausreichend Zeit zum Keimen haben. Voraussetzung für den Erfolg ist genügend Bodenfeuchtigkeit. Erst dann sollte eine Übersaat durchgeführt werden.
Verfilzte Bestände sanieren
Die aktuelle Situation bietet zudem eine gute Gelegenheit, verfilzte Bestände zu sanieren. Besonders die Gemeine Rispe mit ihren oberirdischen Ausläufern ist grösstenteils vertrocknet. Deshalb sollte sie jetzt konsequent ausgestriegelt werden.
Nicht immer ist eine Übersaat nötig
Nicht in jedem Fall braucht es eine Übersaat. Idealerweise wurden die Wiesen während der Trockenperiode nicht gemäht, sodass der Boden bedeckt blieb und erwünschte Futtergräser wie das Italienische Raigras absamen konnten. In solchen Fällen empfiehlt es sich, die ausgefallenen Samen mit einer Rauwalze anzudrücken, damit ein guter Bodenkontakt entsteht. Hat die natürliche Versamung erfolgreich stattgefunden, sollten schon bald erste Keimlinge sichtbar sein.
Wertvolle Gülle sinnvoll einsetzen
Während der Trockenperiode sind die Nährstoffe im Boden nur eingeschränkt pflanzenverfügbar. Mit den Niederschlägen Ende August wurde jedoch innert kurzer Zeit viel Stickstoff mineralisiert und somit für die Pflanzen verfügbar. Dieser Mineralisationsschub trägt wesentlich dazu bei, dass sich Grünlandbestände nach einer Trockenperiode rasch erholen. Ist die Gülle knapp, kann nun deshalb das Grünland zurückhaltend gedüngt werden. Der wertvolle Hofdünger sollte gezielt in den Kulturen eingesetzt werden, wo tatsächlich Bedarf besteht.
Kontakt
Haben Sie Fragen zum Futterbau? Wenden Sie sich direkt an Jessica Bissig oder Willi Gut.

Jessica Bissig
6330 Cham


